„Es ist wichtig auf sich selbst zu hören“ Snowboard Pro Anna Gasser im Interview

Anna Gasser, Snowboardprofi von Burton im STRONG Interview

Anna Gasser ist Snowboard Profi in der Disziplin Slopestyle. Sie lernte Snowboard fahren erst im Alter von 17, stand als einzige Frau den Sprung Cap-Double und fährt heute für Burton – dieses Jahr wurde sie vom Publikum in Österreich zur zweit beliebtesten Sportlerin gewählt: Ihr größter Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in der Disziplin Snowboard Freestyle. Nach einigen Verletzungen in der Vergangenheit schaut die 24-Jährige jetzt selbstbewusst in die Zukunft.

Von Melanie Müller

Anna Gasser, Snowboardprofi von Burton im STRONG Interview

Anna Gasser, Snowboardprofi von Burton im STRONG Interview

Anna Gasser Slopestyle Snowboard-Pro im Interview

Entsteht zu den Männern ein Leistungsdruck – Frauen fahren meist etwas besonnener?
Im Nationalteam und auch sonst gibt es nicht viele Mädels im Snowboardteam – es ist etwas ganz besonderes. Für mich ist es schwer mich an den Männern zu orientieren, weil die wirklich schon sehr gut sind. Aber ich schaue eher auf die Mädels, die in der Zwischenzeit auch auf einem hohen Level fahren.

Deine Karriere hat untypisch begonnen …
Ich habe erst mit 17 das Snowboard für mich entdeckt. Bis dahin bin ich Ski gefahren – ich komme aus Villach, da ist Ski unumgänglich. Stattdessen habe ich geturnt. Mein Cousin und sein Freundin haben mich dann zum ersten mal zum Snowboarden mitgenommen, sie sind gesprungen und haben Freestyle gemacht. So habe ich die ersten Kurven gelernt und hab da gleich mitgemacht. Mir half das Körpergefühl, das ich durch das Turnen habe. Ich weiß wie ich meinen Körper in der Luft drehen muss.

Wie fühlt man sich vor einer Abfahrt?
Wenn es eine schwere Abfahrt ist, ist es Respekt – dabei habe ich ein Freiheitsgefühl und bin vor allem mein eigener Herr. Es ist in keinem Sport wichtiger auch auf sich selbst zu hören – gerade um Unfälle zu vermeiden. Durch meine Verletzungen habe ich gelernt aufzuhören, wenn ich müde bin oder es bei waghalsigen Sprüngen langsamer anzugehen.

Was ist das Besondere an Freestyle?
Für mich sind es die Sprünge, weil es sehr spektakulär ist. Es ist sehr kreativ, weil jeder Sportler seine eigenen Vorlieben entwickeln kann.

Hast du auch mal Angst?
Niemals vor dem Sprung, aber vor der Konsequenz – falls man sich verletzt, vor den Schmerzen.

Was war dein schönster Moment auf dem Snowboard?
Als ich den Cap-Double gestanden habe, ein Jahr habe ich dahintrainiert. Man fährt verkehrt an, macht einen doppelten Salto nach hinten plus einer halben Drehung. Das Besondere daran für mich: ich war das erste Mädel, die das geschafft hat.

Du hast einen Wunsch frei …
Den brauche ich nicht – aber ich wäre gern unzerstörbar.

Was ist dein größtes Ziel?
Die Olympischen Spiele – es war für mich schon eine große Ehre in Österreich zur zweitbeliebtesten Sportlerin gewählt zu werden – gerade weil Freestyle Snowboard noch immer eine Nische ist. Als ich in Sotchi war, ist mir erst klargeworden, welche Dimension die Spiele haben. Aus allen Ländern waren die Medien vertreten. Das fand ich beeindruckend. Ganz ehrlich: mit einer Goldmedaille hätte ich mein größtes Ziel erreicht. Und der Sport würde vielleicht in Österreich einen anderen Stellenwert bekommen.

Anna Gasser, Snowboardprofi von Burton im STRONG Interview

Anna Gasser, Snowboardprofi von Burton im STRONG Interview

Wie sehen deine Trainingspläne aus?
Es ist wetterabhängig. Bei gutem Wetter konzentrieren wir uns voll auf das Schneetraining und das normalerweise von 9-16 Uhr. Dann fahren wir mehr und bei schlechtem Wetter übe ich die Sprünge. Das ist sicher eine lange Trainingszeit, aber nach meinen Verletzungen habe ich mehr Regenerationsphasen eingebaut.

Morgens Muskelkater – geht es dann trotzdem auf das Brett?
Das ist schwer. Aber ich mache Blackrolls nach dem Training – ganz viele – und dann gibt es meist keinen Muskelkater. Dann natürlich immer ein leichtes Aufwärmtraining mit Carven und einfachen Sprüngen. Falls es wirklich bei jedem Sprung wegen eines Muskelkaters wehtut, gibt es ein leichtes Training, sonst wäre es zu gefährlich. Da muss man auch ‚Nein’ sagen können. Ein Tipp, den ich vor allem Anfängern gebe, denn der Sport soll schließlich Spaß machen.

Wie achtest du auf deine Ernährung?
Als ich mit dem Sport angefangen habe, habe ich alles gegessen. Pizza, jede Art von Fastfood … jetzt versuche ich ausgewogener zu essen, Fisch zu kochen – nicht immer essen zu gehen. Dabei mache ich keine bestimmte Diät – nicht Low Carb oder Protein basiert – Hauptsache, es ist frisch und gesund.

Anna Gasser, Snowboardprofi von Burton im STRONG Interview

Anna Gasser, Snowboardprofi von Burton im STRONG Interview

Fährt dein Freund auch Snowboard?
Ja – aber nicht auf Wettbewerbe. Er kommt gut mit meiner Karriere klar. Ich stelle mir das schwierig vor – aber ich wäre nicht mit ihm zusammen, wenn er da nicht so gelassen wäre.

Was ist besser: Sex oder Snowboard?
Es kommt darauf an: Wo fährt man Snowboard und mit wem hat man Sex.

Hier geht’s zum Interview mit dem Ultramarathon Mann Dean Karnazes

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