„Ich setze mich niemals hin“ – Interview mit dem Ultramarathon Mann Dean Karnazes

Ultramarathon Mann Dean Karnazes im Interview
Ultramarathon Mann Dean Karnazes im Interview

Ultramarathon Mann Dean Karnazes im Interview: 30 Grad auf der Peloponnes. Während in Athen um den Erhalt von Griechenland in der Eurozone verhandelt wird, kämpft sich Autorin Melanie Müller beim Halbmarathon von Costa Navarino an den Ultramarathon Mann Dean Karnazes heran, um wohl eines der schnellsten Interview zu führen – über Selbsterkenntnis, Ausdauer und eigene Grenzerfahrung.

Von Melanie Müller, Fotos: Vladimir Rys

Dean Karnazes – der Ultramarathon Mann im Interview

Wie haben Sie den Ultramarathon mit 350 Meilen (ca. 563 km) in über 80 Stunden ohne Schlaf oder das Badwater Ultra Running Event mit 135 Meilen (217 km) durch das Death Valley bei 55 Grad durchgehalten?

Dean Karnazes: Ich habe erkannt, dass der menschliche Körper seine Grenzen hat, der menschliche Geist aber grenzenlos ist. Physische Stärke ist die Seele, die sich im Körper manifestiert. Ich versuche deshalb ganz tief in mir drin eine Quelle der Ausdauer anzuzapfen, die es mir ermöglicht solche erschöpfende Unternehmungen wie einen Ultramarathon durchzustehen. Ich fühle mich danach wie in einem anderen Universum. Mein Geist ist wo ganz anders – fast wie in einer Out-of-Body-Erfahrung.

Hier in Costa Navarino sind sie nur einen Halbmarathon mit 21 Kilometer mitgelaufen. Was machen Sie nach dem Lauf?

Dean Karnazes: Ich laufe immer. (lacht) Die Messina Region in Griechenland, wo Costa Navarino liegt, ist einer der besten Plätzte zum Laufen. Ich bin hunderte von Kilometern in der magischen Landschaft der Peloponnese gelaufen. Danach gehe ich surfen.

Ultrarunning gibt Ihnen viel Zeit zur Selbstkontemplation. Was haben Sie über sich herausgefunden?

Dean Karnazes: Ich  habe gelernt, dass wir besser sind, als wir glauben und mehr erreichen können, als wir für möglich halten. Laufen kann das symbolisieren. Sie glauben vielleicht nur einen Halbmarathon laufen zu können, beenden dann aber einen 42-km-Marathon und das verändert dann ihre persönliche Sicht auf Ihre Möglichkeiten – übertragend für das ganze Leben.

Gab es eine besondere Erfahrung, die Sie während des Rennens hatten?

Dean Karnazes: Der Marathon zum Südpol. Nur einmal in der Geschichte wurde er Ziel eines Marathons, meines Marathons und es war sehr gefährlich. Der Südpol ist die kälteste und am weitesten entfernte Gegend auf der Erde. Die Temperaturen liegen bei -45 Grad und Erfrierungen und Unterkühlung sind eine konstante Bedrohung. Dieser Run wurde nie wiederholt.

Ultramarathon Mann Dean Karnazes im STRONG Interview

Ultramarathon Mann Dean Karnazes im STRONG Interview

Haben Sie dafür einen Training Plan und wie sieht er aus?

Dean Karnazes: Mein Trainingsplan ist sehr variabel aufgrund meiner vielen Reisen aber ich versuche durchschnittlich 100 – 200 km pro Woche zu laufen – manchmal mehr. Dazu kommt sehr viel Crosstraining, um meine Bein-, Po- und Oberkörpermuskulatur zu stärken. Außerdem setzte ich mich niemals hin. In meinem Büro arbeite ich ausschließlich im Stehen und mache alles auf meinen Füßen. Meine vier Bücher entstanden beim Laufen. Wie viele Autoren habe ich dort die klarsten Gedanken. Ich diktiere alles in mein iPhone.
Außerdem liebe ich viele Arten von Outdoor Aktivitäten. Während der Navarino Challenge war ich Wellenreiten, Mountainbiken, Klettern, Stand-Up-Paddling, Schwimmen und Windsurfen. Alle diese Aktivitäten helfen mir meinen Körper zu konditionieren und machen vor allem viel Spaß.

Was muss passieren, dass Sie es ausfallen lassen?

Dean Karnazes: Ich renne immer: morgens , mittags oder nachts . Ich nehme mir immer die Zeit, da gibt es keine Entschuldigung – sogar spät in der Nacht.

Was essen Sie während des Laufens?

Dean Karnazes: Während langer Läufe versuche ich 400-500 kcals pro Stunde zu Essen. Früher habe ich mir mal während eines All-Night-Runs eine Pizza bestellt, aber jetzt ist meine Ernährung gesünder und meine Leistungsfähigkeit hat davon profitiert. Meine Ernährung ist jetzt eher extrem. Ich ernähre mich traditionell mediterran mit viel frischen Bio-Obst und Gemüse, Olivenöl viel Fisch und mageres Fleisch. Ich esse keinerlei Lebensmittel, die industriell verarbeitet oder verändert wurden, außerdem keinen raffinierten Zucker, Nudeln oder Brot und Fertiggerichte. Einer meiner Mentoren, Jack LaLanne hat einmal gesagt: „Wenn es von Menschen gemacht ist, esse es nicht und wenn es gut schmeckt, spuck es aus! “

Ich setze mich niemals hin, Ultramarathon Mann Dean Karnazes

Wie vermeiden Sie größere Verletzungen?

Dean Karnazes: Zusätzlich zum Crosstraining für Stärke und Muskelkraft, ist mein Körper für das Laufen geschaffen. Man sagt, dass beste, was man als Langstreckenläufer tun kann, ist sich seine Eltern gut auszusuchen. Ich bin 100% Grieche und mein Vater behauptet, dass wir aus dem gleichen Dorf wie Pheidippides kommen – dem ersten griechischen Marathonläufer.

Das passt zu Ihrem neuen Buchprojekt?

Dean Karnazes: Ich habe soeben mein Manuskript eingereicht: „The Road to Sparta“. Darin geht es um die Schlacht von Marathon und den modernen Spartathlon Ultra Race: ein 246-km-Rennen von Athen nach Sparta. Ich glaube, dass ist mein gelungenstes Werk bisher. Es geht nicht nur ums Laufen, sondern auch um die Philosophie des Lebens.

Was sind Ihre Tipps für Freizeitläufer?

Dean Karnazes: Hören Sie allen zu, aber folgen Sie niemandem. Wir alle sind einzigartig und individuell, also machen Sie das was am besten für Sie funktioniert. Hören Sie sich Expertenratschläge an, aber experimentieren nie nicht. Trainieren Sie so wie es zu Ihrem Körper und Lebensstil passt.  Training muss Spaß machen, ansonsten gibt man zu schnell auf.

Ist Ihre Frau auch eine Läuferin und wie werden Sie von ihr unterstützt?

Dean Karnazes: Meine Frau rennt nur, wenn Sie verfolgt wird. (Lachen) Julie läuft nur zur Entspannung, aber Sie unterstützt mich sowohl in meinem Sport als auch in meinem Lifestyle.

Was ist das „next-big-Lauf“ nach dem Ultramarathon?

Dean Karnazes: Einmal bin ich 50 Marathons in 50 US-Staaten an 50 aufeinander folgenden Tagen gelaufen und das war eine große Erfahrung. Meine nächste Herausforderung ist es innerhalb eines Jahres in jedem Land der Erde einen Marathon zu laufen. Es gibt 203 Länder und ich arbeite mit den US-Behörden und der UN zusammen, um die dafür nötigen Visa zu erhalten. Planung und die Logistik für ein Projekt dieser Größe sind mindestens genauso schwierig wie das Laufen selber. Das habe ich mir so in den Kopf gesetzt. Ich lade die Leute vor Ort auch dazu ein, mit mir zu laufen. Ich denke, die Erde kann so eine Aktion gerade gut gebrauchen: lasst uns aufhören gegeneinander zu kämpfen und dafür miteinander zu laufen. Wäre mal was anderes.

Was müsste passieren, damit Sie Ihre Karriere als (Ultramarathon) Läufer beenden?

Dean Karnazes: Ohne meine Leidenschaft würde ich etwas anderes machen, ansonsten laufe ich bis zum Tag meines Todes. Momentan ist meine Leidenschaft stärker als je zuvor, also gibt es keine Pläne aufzuhören. Rennen mögen enden, aber das Laufen ist für immer …

www.costanavarino.com

Um für einen Ultramarathon oder Marathon fit zu werden bedarf es natürlich der richtigen Ernährung- STRONG Magazine zeigt die eine Ernährungsform für Bestleistungen

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