Sport und Asthma – Ist das überhaupt möglich? Ratgeber + Tipps

Sport bei Asthma - ist das überhaupt möglich? Fitness ratgeber
Sport bei Asthma - ist das überhaupt möglich? Fitness ratgeber

Sport und Asthma – Ist das überhaupt möglich oder schließt sich das gegenseitig aus? Diese und viele weitere Fragen zum Thema Sport und Asthma hat uns Prof. Dr. med. Ralf Ewert, Bereichsleiter Innere Medizin, Pneumologie, Internistische Intensivmedizin an der Universitätsklinik Greifswald in einem Experteninterview erklärt.

Sport bei Asthma – ist das überhaupt möglich? Ratgeber

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Sport bei Asthma – ist das überhaupt möglich? Fitness ratgeber

1. Wir klären die Basisfrage vorweg: Darf man trotz Asthma Sport treiben?

Prof. Dr. Ralf Ewert: „Ja, das darf und sollte man definitiv tun. Selbstverständlich sollte Sport bei Asthmatikern nur während der stabilen Phasen, also wenn das Asthma gut unter Kontrolle ist und die Leistungsfähigkeit nicht zusätzlich durch Infekte beeinträchtigt ist, getrieben werden. Generell ist eine enge Absprache mit dem behandelnden Arzt wichtig.“

2. Was ist der Unterschied zwischen allergischem Asthma und „normalem“ Asthma und was sind die Unterschiede bezogen auf meine Performance bei sportlichen Aktivitäten?

Prof. Dr. Ralf Ewert: „Allergisches Asthma, auch schweres Asthma genannt wird in der Regel durch verschiedene Substanzen ausgelöst. Das können beispielsweise Blütenstäube, Gräser oder ähnliche Allergene sein. Hier ist klar, dass sobald sich ein Patient der Belastung mit diesen Allergenen aussetzt, ein besonders hohes Risiko für Asthmabeschwerden für ihn herrscht, die seine Leistungsfähigkeit vermindern kann. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn er während der saisonalen Pollenflugzeit in der Nähe von Wiesen und Feldern Sport treibt. Für diese Gruppe von Betroffenen ist es eher empfehlenswert, sich während der Pollensaison in geschlossenen Räumen, zum Beispiel in einem Fitnessstudio, körperlich zu betätigen.

Bei einem „normalen“ Asthma, auch intrinsisches Asthma genannt, sind die Auslöser nicht allergen. Die Auslöser können unspezifischen Reizungen sein, wie beispielsweise Rauch, Staub und Kälte. Auch psychischer Stress kann ein Trigger sein. Bei diesen Asthmaformen ist die Belastung ganzjährig gleichbleibend und bezieht sich nicht auf einzelne Allergieperioden. Hier gilt, solange sich die Erkrankung unter ärztlicher Kontrolle befindet, der Patient also medikamentös gut eingestellt und beschwerdefrei ist, sind sportliche Aktivitäten auf einem genau so guten Level möglich, wie bei einem Gesunden.“

3. Was sollte ich mit Asthma beim Sport beachten? Sollte ich z.B. vor dem Sport Asthmaspray nehmen?

Prof. Dr. Ralf Ewert: „Generell sollte ein Asthma-Patient immer mit seinem behandelnden Arzt absprechen, welche körperliche Betätigung für ihn sinnvoll ist und wie häufig er Sport machen sollte. Ob die Einnahme von Asthmaspray vor dem Sport nötig ist, ist von Patient zu Patient unterschiedlich und hängt davon ab, von welcher Asthma-Form der Patient betroffen ist. Leidet der Betroffene beispielsweise an einer Allergie gegen Blütenstäube, wird er während der Pollensaison ohnehin eine erhöhte oder tägliche medikamentöse Therapie zu sich nehmen. Ist die Pollensaison vorbei und sollte Beschwerdefreiheit vorliegen, kann der Patient wieder normal Sport machen. Eine andere Gruppe von Patienten sind die, bei denen ca. 10 bis 15 Minuten nach der körperlichen Belastung ein Luftnotanfall oder ein Äquivalent, wie beispielsweise Husten, auftritt. Wir sprechen hier von einem belastungsinduzierten Asthma. Während der körperlichen Betätigung verspürt der Patient jedoch keinerlei Probleme oder Leistungseinschränkungen. Für diese Gruppe von Betroffenen ist es empfehlenswert, mit dem Arzt eine dauerhafte Medikation abzusprechen. Es kann tatsächlich sinnvoll sein, schon vor dem Sport etwas einzunehmen. Je nachdem, wie stark die Atemnot oder das Husten ist, kann der Betroffene dann nach Absprache mit seinem Arzt im akuten Fall ein oder zwei Hübe von einem speziellen Medikament, in der Regel ein Beta2 Mimetikum, einnehmen. Und dann gibt es natürlich noch Asthmaformen, die nach einer stattgefundenen Infektion auftreten. Hier ist es wichtig, dass man unmittelbar nach der Infektion eine erhöhte Dosis der üblichen Medikamente einnimmt. Auch dies sollte natürlich mit dem Arzt abgesprochen werden. Insofern muss hier genau darauf geachtet, um welche Form von Asthma es sich handelt und darauf basierend abstimmen, ob die Einnahme von Asthmaspray vor dem Sport sinnvoll ist.“

4. Wie oft sollte ich mit Asthma Sport treiben?

Prof. Dr. Ralf Ewert: „Das ist relativ einfach zu beantworten. Wenn man die genannten Einschränkungen der unterschiedlichen Asthmaformen beachtet und sich in einer stabilen Phase ohne Restbefunde einer Infektion befindet, können Betroffene genauso häufig und intensiv Sport machen wie Gesunde. Empfohlen wird in den meisten Fällen, sich zwei bis drei mal wöchentlich für ca. 30 Minuten körperlich zu betätigen. Es gibt jedoch auch sehr viele Olympiateilnehmer, die an Asthma leiden. Es ist also auch mit dieser Erkrankung möglich, Hochleistungssport auf Weltniveau zu betreiben und täglich mehrfache Trainings abzuleisten. Das schließt sich also überhaupt nicht aus. Probleme können höchstens dann auftreten, wenn das Asthma noch nicht ausreichend kontrolliert oder eine Umstellung der medikamentösen Therapie erfolgt ist. In diesem Fall sollte die Häufigkeit der körperlichen Betätigung mit dem Arzt besprochen werden.“

5. Wie beeinflusst Asthma meine Leistung insbesondere Beim Krafttraining? Und wie bei Ausdauersportarten?

Prof. Dr. Ralf Ewert: „Im Grunde genommen beeinflusst das Asthma die Leistung weder beim Kraft- noch beim Ausdauertraining. Ist die Erkrankung gut kontrolliert und nimmt der Patient die richtigen Medikamente, so werden während des Trainings überhaupt keine Beschwerden auftreten. Interessant zu wissen ist nur, dass alle die Sportarten, bei denen eine hohe Atemfrequenz und ein großes Atemvolumen benötigt werden, eine besondere Belastung für Patienten mit einem Asthma bronchiale sein können. Dies ist beispielsweise der Fall beim Marathonlauf oder beim Schwimmen, wobei hier zusätzlich noch chlorhaltige Wasserdämpfe eingeatmet werden. Hier bedarf es einer individuellen Beratung und auch einer individuellen Testung, ob der Betroffene wirklich zu einer bestimmten Sportart in der Lage ist oder ob etwas anderes vielleicht empfehlenswerter ist.“

6. Welche Sportarten sind für Asthmatiker erlaubt bzw. empfehlenswert?

Prof. Dr. Ralf Ewert: „Erlaubt ist eigentlich jede Sportart. Und empfehlenswert ist insbesondere all das, was dem Betroffenen Spaß macht. Denn, wenn wir mal ehrlich sind, wird nur das auch wirklich regelmäßig gemacht. Die Wahl der richtigen Sportart hat überhaupt nichts mit der Erkrankung zu tun, sondern jeder sollte sich die körperliche Betätigung suchen, die einem Freude bereitet.“

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7. Ist Atemnot beim Sport automatisch ein Zeichen für Asthma? Wie lässt es sich diagnostizieren?

Prof. Dr. Ralf Ewert: „Atemnot bedeutet, dass man empfindet, dass man Atmen muss. Und dies ist bei jeder körperlichen Belastung, auch bei einem gesunden Sportler, an irgendeiner Grenze immer erlebbar. Auch wenn ein Gesunder acht bis zehn Stockwerke hinauf läuft, kann er in Atemnot kommen. Wenn nach der Beendigung einer Belastung, egal wie stark diese war, Luftnot oder Hustenreiz auftritt, ist dies sehr verdächtig für ein Asthma bronchiale. Wenn die Luftnot bereits während der Belastung aufkommt, spricht dies im Gegenteil eher gegen eine Asthmaerkrankung. Da es aber viele verschiedene Formen von Asthma gibt, lässt sich per se nicht sagen, woher die Atemnot stammt. Ausschlaggebend ist, ob man im Vergleich zu anderen Gleichaltrigen und des gleichen Geschlechts viel Luftnot verspürt. Dann sollte man sich vorsichtshalber nach den üblichen ärztlichen Vorgehensweisen untersuchen und eine Diagnose stellen lassen. Darüber hinaus darf man nie vergessen, dass man neben dem Asthma bronchiale noch Nebenerkrankungen haben kann. Probleme mit dem Herzen können beispielsweise auch Atemnot verursachen. Die einzige Form des Asthmas, bei der ein monokausaler Zusammengang zwischen der körperlichen Betätigung und einer auftretenden Luftnot bestehen könnte, ist beim allergischen Asthma. Fährt ein Betroffener beispielsweise mit dem Rad an einer Blumenwiese vorbei, gegen deren Blütenstaub er allergisch ist, kommt die Luftnot mit großer Wahrscheinlichkeit davon.“

8. Was tue ich, wenn ich einen Asthmaanfall beim Sport bekomme?

Prof. Dr. Ralf Ewert: „In jeder Therapie des Asthma bronchiale gibt es einen sogenannten Notfallplan, den man mit seinem Arzt absprechen muss. Dieser Notfallplan legt fest, von welchem Medikament ein Betroffener im Falle des Falles eine zusätzliche Dosis nehmen sollte. In der Regel handelt es sich dabei um ein Dosier-Aerosol, also um ein Asthma-Spray. Sind die Symptome sehr schwerwiegend, sollte gegebenenfalls sogar ein Notarzt zurate gezogen werden, welcher dem Betroffenen die entsprechenden Medikamente direkt über die Vene spritzen kann. Ein Asthma-Anfall ist per se immer eine sehr gefährliche Situation für den Patienten und sollte bei einer guten und langfristigen Therapie eigentlich gar nicht erst auftreten. Meist ist dann irgendetwas nicht in Ordnung oder es bedarf einer Erweiterung der medikamentösen Therapie.“

9. Ist es vielleicht sogar möglich, Asthma durch Sport zu lindern? Wenn ja, wie?

Prof. Dr. Ralf Ewert: „Natürlich führt eine sportliche Betätigung insgesamt dazu, dass man sich gesünder und fitter fühlt und es auch ist. Das Asthma wird man durch Sport allein allerdings nicht lindern können. Ich finde aber, dass man sich immer bewusst machen sollte, dass man mit dem Asthma bronchiale existiert und lebt und nicht für diese Erkrankung seine körperlichen Einschränkungen wahrnimmt. Man sollte immer das bestmögliche für sich und seine Gesundheit tun- unter der Maßgabe, dass man zwar ein Asthma hat aber dieses unter guter Therapie eigentlich ohne Beschwerden sein sollte.“

10. Wie lässt sich schweres Asthma sonst noch behandeln?

Prof. Dr. Ralf Ewert: „In Abhängigkeit der verschiedenen Asthmaformen kommen als Standardtherapie verschiedene Medikamentengruppen zum Einsatz. Daneben gibt es verschiedene, so genannte Zweit- und Drittlinienbehandlungsmöglichkeiten. Diese sind mittlerweile so vielfältig geworden, dass es weltweit alle ein bis zwei Jahre eine überarbeitete Empfehlung darüber gibt, bei welchem Schweregrad der Erkrankung und bei welcher Gesamtkonstellation, das bedeutet, inklusive möglicher Nebenerkrankungen, man welche Therapie angehen sollte. Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen, bei denen es vorrangig darum geht, die Symptome zu lindern, ist das Ziel einer Asthmatherapie immer eine komplette Beschwerdefreiheit und eine optimale körperliche Leistungsfähigkeit. Dafür ist die Therapie sehr umfangreich. Sie beinhaltet die Einnahme von Medikamenten, die Vermeidung von möglichen Allergenen und setzt eine körperliche Betätigung durch regelmäßige Trainings voraus. Für Patienten, die unter der normalen Standardtherapie nicht symptomfrei sind, gibt es darüber hinaus auch weiterführende Medikamente, die sehr speziell in ihrer Anwendung sind. Bei der Initiative Luftstoß  und dem Netzwerk schweres Asthma finden Betroffene zahlreiche Informationen rund um die Erkrankung und Tipps für den richtigen Umgang mit ihr.“

11. Haben Sie Tipps für sportliche Asthmatiker im Alltag- z.B. in Sachen Ernährung und Entspannung?

Prof. Dr. Ralf Ewert: „Das Wichtigste für Asthmatiker ist, sich fit zu halten und darüber hinaus all das, was potentiell allergen sein könnte, zu meiden. Das geht von verschiedenen Pflanzen bis hin zu Tierhaaren. Auch das inhalative Zigarettenrauchen sollte unterlassen werden, da dies ein zusätzlicher Faktor für das Auslösen von Luftnotanfällen ist. Möchte man zum Beispiel verreisen, ist es in jedem Fall auch empfehlenswert, sich im Vorfeld über die Allergenbelastung vor Ort zu informieren. Selbst innerhalb von Deutschland macht es einen Unterschied, ob ich mich im März in Norddeutschland oder in Bayern aufhalte. Denn die Blütenperioden, insbesondere bei Frühblühern, unterscheiden sich auch hierzulande bereits um einen Zeitraum von drei bis vier Wochen. Informieren kann man sich am Einfachsten über moderne Kommunikationsmittel, wie zum Beispiel Apps. Auch den Pollenflugdienst kann man über das Internet regional abfragen.“

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